Beobachtungsbericht vom 02./03.08.2000

Stephan@messner-online.de

Listinus Toplisten

Beobachtungsinstrument: 10” SCT, TAK FS78

Seit langem wieder blauer Himmel. Und da der Mond heute Nacht nicht stört, beschliesse ich, die Nacht zur intensiven deepsky Beobachtung zu nutzen.

Am 02.08.2000 gegen 22.OO Uhr MESZ richte ich es mir in der Sternwarte gemütlich ein. Eine grosse Kanne süsser schwarzer Tee soll mich die Nacht munter halten. Zum Ausruhen während der Fotoaufnahmen habe ich mir die Gartenliege mit Decken und Kissen aufgebaut.
Nachdem ich das Teleskop initialisiert habe, schwenke ich noch in der Dämmerung auf den Kugelsternhaufen M13. Schwach ist er auf dem silbriggrauen Hintergrund zu erkennen. Gegen 22.30 Uhr MESZ nehme ich Kontrolle der Nachführung ein CCD Bild bei 2540mm Brennweite 200s auf. Ergebniss: die Nachführung funktioniert für meine heutigen Ansprüche. Bei 400s waren allerdings leichte Driftbewegungen zu erkennen. Aber für heute stört mich das nicht.
Bis Mitternacht liege ich nur im Gartenstuhl und genieße den herrlich klaren Himmel.
Die Milchstraße ist deutlich zu sehen. Auffällig ist die Aufteilung im Sternbild Schwan. Mit dem Fernglas 10x50 stöber ich am Himmel herum. M13 ist deutlich als Nebelfleck zu sehen. Schwenk Richtung Süden zum Schützen. Deutlich sind M16 M17 im Fernglas zu erkennen. Höchste Zeit für den Adlernebel M16. Heute will ich endlich mal den Nebel auf dem Foto festhalten. Auf meinen letzten CCD-Aufnahmen vom Juni ist nur der Sternhaufen zu erkennen.
Zuvor ein kurzer Blick auf M17 den Schwanennebel mit dem 10”SCT bei f/6.7 mit 180-facher Vergrößerung. Deulich ist der “Schwan” zu erkennen. Strukturen im Überfluß. Aber dieser Nebel ist heute nich das Objekt meiner Begierde. Schwenk auf M16. Der Sternhaufen ist wunderschön zu beobachten. Aber wo ist der Nebel? Schnell den Schmalbandfilter vor das Okular geschraubt und konzentriert. Ja wo ist er den? Irgend wie kann ich mich nicht entscheiden, ob ich den Nebel nun sehe oder ob es nur Einbildung ist.
Also habe ich die CCD-Kamera ans TAK bei 730mm mit dem Schmalbandfilter geschraubt. 3 Bilder á 600s müssen es bringen. Gleichzeitig nehme ich mit meiner Praktika bei 135mm Brennweite eine 5min Aufnahme auf Kodak Royal 1000 auf.
Eine kurze Kontrolle der CCD-Rohbilder lässt den Nebel erahnen. Mal sehen was nach der Bearbeitung zu sehen ist. (Bild M16)
Nachdem die Bilder im Kasten bzw. Festplatte sind, mache ich mich gegen 1.40 Uhr MESZ an M27. Im 10”SCT mit dem 20mm Nagler bei 80fach einfach ein Genuss! Leider habe ich keinen 2” Schmalbandfilter. Deutlich erkenne ich die Sanduhrform. Bei längerem Hinsehen sind auch die “Henkel” auszumachen. Wieder nahm ich 4 Bilder mit 600s auf CCD auf und gleichzeitig 2 Fotos von je 5min Länge mit der Praktika.
Wieder schaue ich wärend der Aufnahmen vom Liegestuhl aus in den Himmel. Es ist einfach fantastisch. Der Nordamerikanebel im Schwan ist das nächste Ziel. Gebannt starre ich zum Zenit. Da, knapp neben Deneb ist es, als würde er zu erkennen sein. Ja, ganz sicher, dort muß er sein. Und daß mit bloßem Auge! Ein Blick mit dem Feldstecher überzeugt mich letztendlich. Deutlich ist die “Ostküste” zu sehen. Selbst der “Golf v.Mexico” ist zu erkennen. Es zeigt sich deutlich, daß das richtige Sehen eine Sache der Übung ist. Beim Schwenk über diese Region würde mir der Nebel sonst nie auffallen. Gegen 2.20 Uhr MESZ mache ich eine 5min Aufnahme bei 135mm Brennweite auf chem. Film. Für die CCD-Kamera ist der Nebel einfach zu groß. Immer wieder streife ich mit dem Feldstecher über den Himmel. Einfach toll! Der Schwarze Tee hält mich putzmunter und bei Laune.
Gegen 3.00 Uhr MESZ richte ich meine Blicke auf M31 die Andromedagalaxie.
Wiederum fotografiere ich im Doppelpack. 5 Bilder á 300s bei 500mm Brennweite mit der CCD-Kamera und 15min auf chem. Film bei 135mm Brennweite.
Während dessen schießt gegen 3.17 Uhr MESZ ein Bolide mit ca. -2mag zwischen Delfin und Adler entlang. eine ca. 2° lange Rauchpur ist ca. 5s lang zu erkennen.
Immer wieder sind seit Mitternacht vereinzelte Sternschnuppen aus unterschiedl. Richtungen zu erkennen. Darunter auch sehr, sehr schnelle, die nur Bruchteile von Sekunden zu sehen sind. 3.27 Uhr MESZ, wieder ein Bolide. Diesmal aus dem Sternbild Pegasus in Richtung Zenit. Die Helligkeit beträgt wieder ca. -2mag und die ca.5° lange Rauchspur ist einige Sekunden lang zu sehen.
Mittlerweile ist Jupiter, Saturn und M45 am Osthimmel aufgestiegen. Mit der Praktika nehme ich mit etwas Versatz zwei Bilder der Konstellation mit je 10s auf. Bei 135mm Festbrennweite bekomme ich nicht alles auf das Bild. Und so montiere ich die 2 Bilder im Computer zusammen.
Langsam wird es heller. Da ich, seit dem ich die CCD-Kamara besitze, noch keine Gelegenheit hatte Planeten aufzunehemen, will ich mich noch an Jupiter und Saturn versuchen.
Bei 5000mm Brennweite ist es unheimlich schwierig ein scharfes Bild zu bekommen. Ausserdem stehen die Planeten über einem Haus, so daß das Seeing nicht gut ist. Trotzdem nehme ich 50 Bilder von Jupiter mit 0,01s und 4 fach-binnig auf. Saturn belichte ich je 0,04s.

Gegen 4.00 Uhr MESZ räume ich noch etwas auf und gehe ins Haus. 4.30 Uhr falle ich zufrieden ins Bett. Doch eine halbe Stunde später klingelt schon der Wecker.

Was soll´s !!! :-)))

 

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