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Beobachtungsbericht vom 18.07.2001 Ort: Langenchursdorf 50°52´15"N 12h38m43s E Optik: Auge und Takahashi FS78 630mm
Seeing: 2 Durchsicht: knapp 6m0 im Zenit, sehr feucht
Es soll sie also noch geben, die superklaren Nächte. Aber ich fange von vorn an:
Der Wetterbericht vom Montagabend prognostizierte
eine Wolkenlücke zwischen zwei Tiefs, welche genau in der Nacht vom Di zum
Mi über Mitteldeutschland hinwegziehen sollten. Bei dieser Nachricht, war im Hinterkopf die Beobachtung des Linear A2 so gut wie beschlossen. Gestern im Laufe des Tages erwischte mich dann eine
ordentliche Erkältung. In diesem Zustand nachts zu beobachten, verbietet sich vernünftigerweise von selbst, doch bin ich vernünftig? Sehr zeitig gegen 20.00Uhr ging ich warm eingepackt und mit
diversen Hausmittelchen versehen ins Bett. in leichter Schüttelfrost bekleidete mich beim Einschlafen. Als meine Frau gegen
22.00Uhr von ihrer Sportgruppe kam und mich so liegen sah, sagte sie mir, dass es draussen super klar ist. Aber in meinem Zustand... Ich schlief wieder ein und ein innerer Wecker liess mich gegen 00.30
Uhr aufwachen. Mir ging's hundeelend. Trotzdem schlurfte ich ans Fenster und sah einen Sternenhimmel wie schon lange nicht mehr. Mir ging's super!!! Der wieder einsetzende Schüttelfrost wurde
einfach nicht mehr beachtet und so zog ich warm angezogen in die Sternwarte. Ein fantastischer Anblick! Die
Milchstrasse zog sich deutlich über das Firmament, die Aufteilung im Schwan war deutlich zu sehen und auch die Schildwolke lächelte mir förmlich entgegen. M31, h + chi Persei, waren auf Anhieb
deutlich zu sehen. Nun wanderte mein Blick Richtung Pegasus. Mit blossem Auge nahm ich einen verwaschenen Fleck war, welcher beim indirektem Sehen deutlich und beim direktem Sehen nur zeitweise zu erkennen war.
Das musste er sein! Schnell den Hauptschalter der Sternwarte angeschalten. Computer, Kamera und Teleskop fuhren hoch. Mit Hilfe von Guide fuhr ich Linear A2 direkt an. Dann erfolgte die erste
Testaufnahme mit
2 Sekunden und 3-fachbinning. Kurzes warten und schwup war das Bild auf dem Schirm. Der Komet war wunderschön mit Schweif zu sehen. Nur stand er ausgerechnet senkrecht zum Bild. Also drehte ich die Kamera um 90° und siehe da, die
Bildaufteilung war perfekt. So nahm ich eine Serie von ca. 20 Bildern á 60sec mit 2-fach binning auf. Zu guter Letzt machte ich noch je ein Bild mit dem RGB Filter. Ein kurzer Test mit einer
Bildaddition von 7 Bildern versprach eine gute Ausbeute. Ich werde mich heute Abend darüber her machen (siehe Bild und Film (163kB)) und die Bilder bearbeiten. Gegen 02.15Uhr war ich wieder im Bett. Mein Glück noch gar nicht richtig fassend, schlief ich wieder ein. Gegen
04.00Uhr wachte ich dann ziemlich durchgeschwitzt wieder auf. Durch das Fenster fiel Dämmerlicht. Ich raffte mich noch einmal auf und ging zum Dachfenster um nach NO zu schauen.
Na, so viel Eindrücke in einer Nacht müssen erst einmal verarbeitet werden! Da stand die schmale
Mondsichel, eingerahmt von Jupiter und Saturn auf der westlichen und Merkur auf der östlichen Seite. Der "Alte Baron" mit seiner roten Nase war etwas unterhalb von Saturn zu erkennen.
Ein wunderschönes Bild. Ich weckte sanft meine Frau, damit sie den Anblick auch geniessen konnte. Etwas
verwundert schaute sie mich an, und ging dann aber doch ans Fenster: "Schön" sagte sie und schnell war sie wieder im Bett verschwunden. Ich stiefelte zwischenzeitlich in den Keller, um den
Fotoapparat zu holen. Mit dem 35er Objektiv nahm ich schnell noch eine Serie dieses schönen Himmelsschauspiels auf.
04.10Uhr lag ich wieder im Bett, und schlief mit
dem Gedanken ein, dass in 50 Minuten der Wecker klingeln würde.
KLINGELKLINGELKLINGEL
Nun sitze ich hier im Büro, und schreibe den Bericht.
Ich muss verrückt sein ;-))
Nachtrag: Beim Bearbeiten der Bilder habe ich leider feststellen müssen, dass durch die Luftfeuchte das Objektiv trotz Taukappe nach ca.
20min anfing zu beschlagen. Dies macht sich bei der Animation in den letzten Frames bemerkbar.
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