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Listinus Toplisten
Namibiareise Januar 2002

Bericht über meine Astronomieexkursion nach Namibia im Januar 2002

Durch die CCD-Fotografie lernte ich Ende 2001 über das Internet Leute kennen, die 1999 den Verein "Internationale-Amateursternwarte e.V." ins Leben gerufen haben.

Die "Internationale Amateur-Sternwarte e.V." ist ein gemeinnütziger Verein mit derzeit etwa 50 Mitgliedern. Der Verein bietet Amateurastronomen die Möglichkeit, an größeren Teleskopen unter einem optimalen Himmel zu beobachten. Optimale Beobachtungsbedingungen und gleichzeitig die Faszination des südlichen Sternenhimmels bietet Namibia, und hier insbesondere der Gamsberg [2]. Er ist astronomischen Gesichtspunkten unter einer der besten Beobachtungsplätze der Welt, und wird am Südhimmel wahrscheinlich nur noch vom Paranal in Chile übertroffen.

Natürlich war ich recht schnell davon überzeugt, dass es sich lohnen würde, sich in diesem Verein mit einzubringen. Zumal Mitglieder aus den neuen Bundesländern noch gar nicht vertreten waren. Ich nutzte die Einladung an der Herbstversammlung des Vereines im November 2001 teilzunehmen und dabei wurde auch recht schnell eine nach Namibia Reise für den Januar 2002 geplant.

Gegen 8.30 Uhr kamen wir in der Stadt Windhoek an und mussten uns noch mit Lebensmitteln und diversen Kleinigkeiten eindecken. Überrascht war ich über das vielfältige Angebot, welches in keiner Weise dem europäischen Bedürfnissen nachstand. Selbst einen Mercedeshändler haben wir gesehen, wo in einem Land fast ohne Teerstraßen ein Mercedes 600SEL feilgeboten wird.

Gegen Mittag ging es dann endlich los in Richtung unserer Gästefarm. Die geteerte Straße erwandelte sich schon wenige Kilometer außerhalb der Stadt in eine breite Schotterpiste. Die Gegend war recht gebirgig und die Vegetation war geprägt von Akazien und anderem dornigem Gestrüpp. Der dunkelblaue Himmel überspannte eine ockerfarbene Landschaft. Unserer Route führte uns über 140km nach Südwesten.

Unterwegs bekam ich einen ersten Eindruck über die Fauna dieser Gegend. Perlhühner pickten am Straßenrand und auch der Anblick der Springböcke ließ nicht lange auf sich warten. Wobei die Herden oft die Zahl von hundert Tieren überstieg. Auch eine Horde Paviane kreuzte die Straße.

 

Cirka 40 km vor unserem Ziel bogen wir von der Straße ab, um uns die Teleskope des noch im Bau befindlichen Hess-Projektes anzuschauen [4]. Natürlich war es für uns Astronomiebegeisterte ein Muss, uns den Fortschritt der Arbeiten anzusehen und so bogen wir für einen kurzen Abstecher auf den Zufahrtsweg zur Baustelle ein.

Schon nach kurzer Fahrt auf der Piste leuchteten uns die roten Stahlgestelle der Teleskope entgegen. Dann standen wir vor der beeindruckenden Anlage. Eine solide Zaunanlage mit Stacheldraht und Stromleitungen flößte Respekt ein. Doch zu unserer Freude, war ein einheimischer Mitarbeiter sofort bereit, uns das Tor aufzuschließen, so dass wir die Anlage genau unter die Lupe nehmen konnten.

Vier Großteleskope wurden zur Zeit montiert. Die Stahlgestelle schienen fertig montiert zu sein, und einige waren schon mit Spiegeln belegt. Ich als Stahlbauer schaute mir natürlich die Konstruktion genau an. Man weiß ja nie, vielleicht baue ich mir mal so was ähnliches in meinen Garten ;-)

Besonders interessant wirkte die Anordnung der unzähligen einzelnen Spiegel, in denen sich noch völlig chaotisch die umgebende Landschaft widerspiegelte. Das Rot der Stahlkonstruktionen, der blaue Himmel und die ockerfarbene Landschaft ließen meiner Kamera keine Verschnaufpause und so war ich doch recht froh, genügend Filme mitgenommen zu haben.

Auf der letzten Etappe der Schotterpiste stolzierten einige Strauße die Straße entlang. In der Ferne konnte ich das Markenzeichen dieser Gegend erkennen. Der Gamsberg!

 

Nun bogen wir von der Straße ab zu unserer Gästefarm "Hakos" [5]. Dort wurden wir freundlich vom Besitzer Walter Straube, seiner Tochter und dem jetzigen Schwiegersohn empfangen.

Das Gepäck wurde ausgeladen und aufs Zimmer geschafft. Nach einer ausgiebigen Dusche waren die Lebensgeister wieder geweckt und Sarah, eine kräftig gebaute Küchenfee von Stamm der Damara präsentierte uns ein hervorragendes Mittagessen. würziger Springbock mit Bratkartoffeln schmeckten vorzüglich.

Bevor ich mir die Gebäude der Sternwarte näher anschauen wollte, war es aber erst einmal notwendig, einen Mittagsschlaf zu halten.

Es war schon später Nachmittag als ich erwachte und  nun hatte ich es eilig, mir die Anlage der IAS e.V. anzuschauen.

Die Mitglieder des Vereins haben die vom Farmer zur Verfügung gestellten alten Stallungen zu einer großzügigen Anlage umgebaut. Diese befindet sich ca. 300m vom Hauptanwesen der Farm entfernt. Das Hauptgebäude besteht aus zwei Beobachtungsräumen, wovon ein Raum eine massive deutsche Montierung unter einem 20m² großem Schiebedach verbirgt. Auf der nach dem Erbauer genannten "Liebschner"-Montierung war ein C14 montiert und eine großzügig dimensionierte Aluplatte bot nahezu unbegrenzten Spielraum zur Befestigung eigener Geräte und Fotoapparate. Der zweite Beobachtungsraum - noch ohne Dach - ist vorgesehen für die 40cm Bath-Astrokamera, welche mittlerweile im Sommer diesen Jahres ihren Probebetrieb erfolgreich in Namibia absolvierte.

Weiter befindet sich in dem Gebäude ein Laborraum für Fotoarbeiten und ein Elektroraum. Die Stromversorgung erfolgt fast ausschließlich über Solarkollektoren und für Baumaßnahmen steht ein Benzingenerator zur Verfügung. Eine Werkstatt ist ebenso vorhanden und gut ausgerüstet.

 

Ich baute voller Erwartung meine CCD-Kamera an das C14, richtete den Laptop her und konnte die Dämmerung kaum noch erwarten. Doch erst einmal ging es zum Abendessen, welches wieder hervorragend mundete. Während des Essens genossen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang verbunden mit einem unbeschreiblichen Farbenspiel der gebirgigen Landschaft, dessen höchste Erhebung, der Gamsberg, durch seine markante Form als Tafelberg sofort auffiel.

Nun hielt mich nichts mehr. Ich musste raus unter freien Himmel! Ich ging vor die Tür und war erst einmal überrascht von der Dunkelheit der mondlosen Nacht. Nur ein winziges Lämpchen hing am Eingang zur Farm und versuchte vergeblich so etwas wie Lichtverschmutzung zu verursachen. Ich hob den Kopf und meine noch in keiner Weise der Dunkelheit angepassten Augen  versuchten, sich am Himmel zurechtzufinden. Zwei helle Wattebäusche in Richtung Süden konnten nur die berühmten Magellanschen Wolken sein! Ein Blick in den Zenit zeigte mir bekannte Gestalten in bisher nie gesehener Brillanz. Der Himmelsjäger Orion hatte sein Jagdrevier weit über unsere Köpfe verlegt. Lepus der Hase, Canis Major im Zenit und der Fluss Eridanus zeigte seine ganze Ausdehnung bis weit in den Süden.

Mittlerweile hatten sich meine Augen der Dunkelheit angepasst und ich erkannte das wahre Ausmaß der winterlichen Milchstraße. Klar strukturiert zog das leuchtende Band am Sternbild Canis Major vorbei, um dann sogleich in mir noch völlig unbekannten Sternengebieten dessen Herrlichkeit erforschen zu lassen. Erst am anderen Morgen verrät mir der Blick in den "Atlas für Sternenbeobachter" kurz Karkoschka genannt, die Namen der mir noch unbekannten Gebiete. Vela, Carina, Kreuz des Südens!

Mittlerweile kam ich an der Sternwarte an, ohne dass ich mir als "Hans-guck-in-die-Luft" den Hals gebrochen hatte. Ich öffnete das Schiebedach und machte den Fehler, den man doch immer wieder so gern begeht: Ich wollte soviel wie möglich auf einmal machen!

Die CCD-Kamera richtete ich erst einmal mit dem 135mm Pentacon Objektiv auf die Große und die Kleine Magellansche Wolke. Irgendwie sah es doch witzig aus: Die große massive Montierung und was hängt dran? Ein kleines 135mm Objektiv. Irgendwie verging die Zeit sehr schnell und die Uhr zeigte schon 3.oo Uhr früh.

So machte ich mich auf den Weg in unser Zimmer, das ich mir mit Wolf-Peter teilte. Schon aus einiger Entfernung hörte ich das Dilemma. Wolf-Peter sägte im monotonen Klang die letzten dürren Akazien der Umgebung nieder. Auch wenn ich noch so müde war, aber

bei so einer Geräuschkulisse war an Schlaf nicht zu denken. Also schnappte ich mir meinen Schlafsack und marschierte wieder zurück in die Sternwarte.

Ich machte es mir neben dem Teleskop auf dem Holzfußboden so bequem wie möglich.

Das Blechdach der Sternwarte schepperte zwar etwas im Wind und auch das Getrampel der Zebras schreckte mich am Anfang noch auf, aber dann schlief ich doch recht schnell ein.

 

12.01.2002

Gegen 8.30 Uhr erwachte ich und stand auch gleich auf. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und von Wolken war wiederum keine Spur zu sehen. Ich ging aufs Zimmer um zu duschen. Eine Stunde später war auch der Rest der verschlafenen Truppe aufgestanden und wir marschierten zum Frühstück, welches uns Sarah wieder liebevoll hergerichtet hatte.

Nun sollte mein Aufenthalt kein gewöhnlicher Urlaub sein, sondern wir waren gekommen um einige Arbeiten an der Sternwarte zu erledigen.

So war geplant, einen Kettenantrieb an dem Schiebedach zu befestigen, damit das Dach mit einer Kurbel geöffnet und geschlossen werden kann. Als erstes bemerkte ich mit Schrecken, dass ich vergessen hatte, die Schweißzange für den Schweißinverter mit einzupacken. Doch Walter wäre kein richtiger Farmer, wenn er mir nicht aushelfen könnte. Nach einigem Gesuche brachte er mir eine Schweißzange, deren Anblick jeden Sicherheitsbeauftragten sämtliche Haare zu Berge stehen lassen würden. Das Kabel war sooft gebrochen und geflickt, dass es nur noch aus Isolierband zu bestehen schien, bzw. gar keine Isolierung mehr aufwies. Aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen, und so machte ich mich daran, die erste Umlenkrolle für den Kettenantrieb an das Stahlgestell des Sternwartendaches zu schweißen. Ich startete den Hondagenerator und schaltete den Schweißinverter ein. Vergeblich versuchte ich einige vernünftige Schweißnähte zu ziehen. Der Generator brachte einfach zu wenig Strom. So verging der erste Arbeitstag, ohne etwas vernünftiges zustande gebracht zu haben. Wir mussten uns was einfallen lassen!

Dafür baute ich meinen Frust ab, indem ich einige tiefe Aufnahmen mit der CCD-Kamera vom Orionkomplex [6]  anfertigte und gegen Morgen war dann auch noch der Eta Carina-Komplex dran [7]. Gegen 4.30 Uhr schlief ich gleich in der Sternwarte ein.

 

13.01.2002

Nach dem Frühstück beschloss ich den Arbeitstag etwas ruhig anzugehen, und nahm das Angebot von Walter dankend an, mir die Farm näher anzusehen. Wir  fuhren mit einem Jeep (der den Namen wirklich verdient) cirka 10km in die Savanne, wo ich einige Rinder der Farm zu Gesicht bekam. Immer wieder machte mich Walter  auf Paviane, Zebras und Antilopen aufmerksam, welche  hervorragend an die graubraune Landschaft

angepasst waren, und somit nicht immer gleich zu entdecken waren. An einem Wasserloch reparierte Walter eine Wasserpumpe, die sicher schon zu Kaisers Zeiten ihren Dienst zuverlässig versehen hatte.  Nachdem wir zurück waren, bohrte ich mit dem Bohrhammer noch ein Loch in die Ziegelwand der Sternwarte, um dort die Kurbel für den Kettenradantrieb zu befestigen.

Nach dem Mittagessen hieß es erst einmal Tasche packen. Wir wollten auf den Gamsberg, zu unserer zukünftigen Außensternwarte. Neben einem Schlafsack, Wechselklamotten und Fotoausrüstung mussten auch noch die gesamte Verpflegung und pro Nase fünf Liter Wasser mitgenommen werden.

Wir fuhren mit dem Bus ca. 20km durch eine herrliche aride Landschaft und erreichten den Fuß des Berges. Die Zufahrt auf den Berg ist durch eine Tor gesperrt und so hieß es den Rest des Weges per Pedes zurückzulegen. Die felsige Zufahrt ist in engen Serpentinen förmlich in den Fels geschnitten und die doch noch recht kräftige Abendsonne machte den Aufstieg zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Während des Aufstieges erschloss sich uns ein grandioser Blick weit in das uns umgebende Hochland. Der dunkelblaue Himmel traf erst in über 100km Entfernung mit dem Horizont zusammen. Eine unheimliche Weite wirkte auf uns Mitteleuropäer ein.

Obwohl ich der Jüngste der Truppe war, muss ich zugeben, dass ich so untrainiert doch recht schnaufend das Plateau des Berges erreichte.

Der Gipfel des Berges ist wie planiert und hat eine Ausdehnung von fast 3km². Kaum hatten wir das Plateau betreten, schon war von der umliegenden Landschaft nichts mehr zu sehen. Nur noch die Ebene breitete sich vor unseren Augen aus, um am Rand ins Nichts zu verschwinden. Alles ist übersäht ist mit fußballgroßen Felsbrocken und Büscheln vertrockneten Grases. Rundgewaschener Kies zeugt von Flusslandschaften, die vor Jahrmillionen diese Gegen formten.

Die Hütten, welche die Max-Plank-Gesellschaft in den frühen siebziger Jahren in Fertigteilbauweise errichtete und dem Verein nun überlassen hatte, befinden sich in der Mitte des Plateaus in einer leichten Senke. Die dreißig Jahre seit der Errichtung der Gebäude sind auch nicht spurlos an der Bausubstanz vorüber gegangen und auch ungebetene Untermieter in Form von Mäusen und Termiten vollbringen ununterbrochen ein zerstörerisches Werk.

Die Anlage besteht aus zwei Wohnhäusern, einer Toilettenanlage, einem Generatorhaus, einer Werkstatt und zwei massiv gemauerten Sternwartengebäuden mit Schiebedach.

Ich beschloss sofort, nachdem ich einige Feldbetten in der Werksatt gesichtet hatte, in einer der Schiebedachhütten zu übernachten. Doch dort musste ich erst einmal eine Unmenge von Mäusedreck zusammenkehren. Nachdem die Hütte besenrein war, stellte ich mir ein Feldbett hinein und betrachtete die alten Gerätschaften und Schränke, die den Charme der 70er Jahre versprühten.

Unser Abendessen bestand aus einem Tomatensalat, dessen spärliche Zutaten durch die fachmännische Zugabe von Unmengen an frischen Knoblauch kaum ins Gewicht fielen. Kekse, eine Büchse kalte Bohnen und getrocknetes Antilopenfleisch rundeten das Mal vorzüglich ab. Dazu reichte uns der Chefkoch ein wohl temperiertes Mineralwasser.

Die sternenklare Nacht in 2300 Metern Höhe ließen mir keine Ruhe und so fotografierte ich aus Mangel an einer Montierung mit der feststehenden Kamera. Einige Sternspuraufnahmen vom Südhimmel haben auch was faszinierendes. Doch schon gegen 21.30 Uhr überkam mich die Müdigkeit und ich zog mich in meine Unterkunft zurück. Ich stellte das Feldbett auf und öffnete das Schiebedach.

Kann es für einen Amateurastronomen einen schöneren Schlafplatz geben, als mitten auf dem Gamsberg zu liegen und über einem nichts als Himmel und Sterne. Um die Stimmung noch völlig in Richtung Kitsch abgleiten zu lassen zog ein extrem langsamer Meteor mit einem 90° langen Schweif über den Himmel und hinterlies eine noch mehrere Sekunden nachglühende Spur - Schön! Und schwups, war ich eingeschlafen.

Ich wurde etwas unsanft geweckt, als die Bespannung des Feldbettes mir mitteilte, dass nach dreißig Jahren die Nähte in Auflösung begriffen waren und ich den Halt verlor und erst auf dem harten Fußboden wieder zu liegen kam.

Na prima! Mitten in der Nacht stand ich mit einem Schlafsack und einem zerrissenem Feldbett auf dem Betonfußboden. Notdürftig knotete ich mir aus einem Handtuch, einer Trainingshose und sonstigem Stoff eine Art Bespannung in das Stahlgestell und legte mich vorsichtig mit dem Schlafsack darauf.

Kaum wagend, mich zu bewegen überstand ich die Nacht, und wachte mit schmerzenden Gliedern auf, als Wolf-Peter, unser Chefkoch, schon zu Frühstück rief.

 

14.01.2002

Ein undefinierbares Müsli mit Milchpulver und Mineralwasser musste reichen, um wieder zu Kräften zu kommen. Da das Dach der zweiten Sternwartenhütte beschädigt war, suchte ich etwas Werkzeug zusammen und machte mich mit Rainer daran, das in der Gegend verstreute Wellblech zusammenzusuchen und notdürftig wieder auf die Dachkonstruktion zu befestigen. Die in dieser Hütte befindliche Montierung mit einer Steuerung in den Ausmaßen eines Rechenzentrums ließ sich leider nicht mehr aktivieren. Wir untersuchten noch die Bauteile eines 50 cm Schmidt-Cassegrains mit ultramassiver Gabelmontierung, welche halbfertig in der Hütte verstaut waren. Den Spiegel entdeckten wir unter einer Sperrholzabdeckung und stellten

fest, dass Generationen von Mäusen das Licht der Welt auf diesem Spiegel erblickt hatten.

Zum Mittagessen kaute ich auf dem getrockneten Antilopenfleisch herum, bis ich im Kiefer Muskelkater spürte.

Gleich darauf begannen wir in der größten Mittagshitze mit dem Abstieg. Nach anderthalb Stunden hatten wir es geschafft und kamen nach problemloser Fahrt pünktlich zum Abendessen auf der Farm an. Ich musste zugeben, dass mir das Abendessen auf der Farm bedeutend besser schmeckte, als auf dem Gamsberg- ohne Wolf-Peters Kochkünste jetzt in Frage stellen zu wollen :-)

Routinemäßig ging ich wieder in die Sternwarte und machte mich ans Fotografieren. Ich meine, ich wollte mich ans Fotografieren machen, doch die CCD-Kamera brachte immer eine Fehlermeldung und mich somit zur Verzweiflung. In meiner Not tauschte ich sämtliche Kabel aus, welche zum Glück mit einer dazugehörigen St7 zur Ausstattung der Sternwarte gehören. Und irgendwie gelang es mir dann auch, die Kamera zur Zusammenarbeit zu überreden.

Mein heutiges Ziel war der Tarantelnebel mit dem C14. Während ich mit den Aufnahmen beschäftigte, fiel mir im Westen ein deutliches Leuchten auf. Wolf-Peter klärte mich darüber auf, dass dies das berühmte Zodiakallicht sei. Später in der Nacht, ich wollte gerade auf den

Kugelsternhaufen NGC 4833 wechseln machten sich von Osten her einige pechschwarze Gebilde am Himmel bemerkbar. Es waren Wolken, die wie ausgestanzt am Himmel entlang zogen. Im Nordosten erblickte ich ein ausgedehntes Wetterleuchten. Über Windhoek hat es wohl geregnet.

Ich war sowieso schon überrascht gewesen, dass wir die bisherige Zeit so gutes Astrowetter hatten, denn im Januar beginnt die Regenzeit.

 

15.01.2001

Ich musste schon 6.30 Uhr aufstehen, da wir nach Windhoek zum Einkaufen fahren wollten. Gegen 8.00 Uhr fuhren Wolf-Peter, Rainer und ich los und nahmen gleich noch zwei Eingeborenenkinder mit, die auf dem Weg in die 20km entfernte Schule auf der Farm Weißenfels waren. Ich fand den Namen der Farn besonders amüsant, da ich in Weißenfels geboren wurde, allerdings in Sachsen-Anhalt. Unterwegs dienten wir noch als Sammeltaxi und nahmen ein Ehepaar vom Stamm der zierlichen Buschleute mit. Fein rausgeputzt wollten diese auch in die Hauptstadt.

 

Windhoek mit seinen ca. 200.000 Einwohnern unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von einer mitteleuropäischen Stadt. Moderne Architektur, Supermärkte, Einkaufpassagen sowie große Industriegebiete lassen keinen Konsumwunsch unerfüllt. Das allerdings die Mehrzahl der Käufer Weise sind, steht auf der anderen Seite der Medaille. Im Menschelgewimmel sind die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen des Landes wiederzufinden. Allein elf einheimische Ethnien  bilden ein vielfältiges Gemisch aus Größe, Hautfarbe und Statur. Selbst europäischen Ohren fallen die vielen Sprachen der einzelnen Volksgruppen auf. Wir begnügten uns mit englisch und sind auch ganz froh, selbst mit deutsch oft unserem Ziel nahe zu kommen.

Ganz oben auf meiner Einkaufsliste stand ein vernünftiges Feldbett. Noch einmal wollte ich mir die Nacht auf dem Gamsberg nicht versauen. In einem gut sortierten Outdoorgeschäft wurde ich auch schnell fündig und wir arbeiteten den Rest der Einkaufliste ab. Schrauben, Werkzeug, Schweißzange, Wasser, Nudeln, ein paar Stangen Stahlrohr, alles wurde gefunden. Und dann stand sie vor uns... die ideale Drehbank! Kompakt und doch mit hoher

 

Spitzenhöhe, Fräseinrichtung, Leit- und Zugspindel, alles war dran. Das Traumteil für sämtliche Dreharbeiten, die auf eine Sternwarte anfallen werden. Wir blickten uns gegenseitig an und da der Preis deutlich unter den deutschen Verhältnissen lag, gab jeder einen Teil in den Spendentopf. Kurz darauf wuchteten wir unseren neu erstandenen Schatz in den VW-Bus. Voller Stolz, wie drei Lausbuben, welche einen Piratenschatz gehoben hatten

fuhren wir gut gelaunt in Richtung Farm.

Das Staunen auf der Farm war groß, als wir unser neu erstandenes Maschinchen vorzeigten. Nach dem Abendessen stand der Komet Linear C2000 WM1 auf dem Bobachtungsprogramm. Wolf-Peter benötigte mit seinen 20x100 Miyauchi nur kurze Zeit und der Komet wurde knapp über dem Südwesthorizont lokalisiert. Ich hatte die CCD-Kamera bereit und versuchte mit dem 135mm Photoobjektiv den Kometen zu finden. Mehr oder weniger zufällig hatte ich den Komet schließlich eingefangen [8]. Ich stellte die Daten für eine Serie ein und belichtete jede Minute ein Bild. Schön war zu beobachten, wie der Komet sich immer mehr dem Horizont näherte. Die Luft war sehr klar. Wir staunten nicht schlecht, als nach dreißig Minuten der Kometenkern hinter der Gebirgskette verschwand, und der Schweif des Kometen immer noch sichtbar war. Pünktlich zum Untergang huschte auch noch ein Meteor durch des Gesichtsfeld.

Als ich nun die Montierung auf den Osthimmel schwenken wollte, geschah es. Die Kabel der Stromzuführung der CCD-Kamera waren mit Krokodilklemmen an jeweils zwei Gewindespindeln angeklemmt, die mit 12V aus den Akkus versorgt wurden. Das Kabel verfing sich in der Montierung und schwupp, zog es die Krokodilklemmen ab. Ich dachte mir noch nichts schlimmes und stellte die CCD-Kamera wieder an. Etwas stutzig machte es mich, als ich im Steuerprogramm die volle CCD-Aulösung von 1530 x 1020 Pixel einstellen wollte. Aber das Programm weigerte sich hartnäckig, diese Werte anzunehmen. Bei 765 x 510 Pixel war Schluss. Mit einem merkwürdigen flauen Gefühl in der Magengegend versuchte ich ein Bild aufzunehmen. Ich staunte nicht schlecht, als mir nur ein Viertel des Chips Ausgelesen wurden. 765 x 510 Pixel. Der Rest der Daten blieben in der Kamera verborgen. Ich versuchte es noch einmal mit einem Neustart, wechselte den Laptop, spielte ein anderes Computerprogramm auf. Nichts half. Immer wurde die Kamera nur mit 765 x 510 Pixel akzeptiert.

Die mitgereisten Astrofreunde , welche die letzten Nächte mit einem C11 bzw. Wolf-Peters Miyauchi beobachteten, zögerten nicht lange und überredeten mich, doch mit dem C14 visuell zu beobachten. Ich sollte es nicht bereuen! Ich bin kein visueller Beobachter, aber was sich mir hier darbot, überstieg meine kühnsten Erwartungen:

NGC 4945: die noch tief am Osthimmel stehende Galaxie erinnert in ihrer Form an ein Pantoffeltierchen. Staubbänder und eine schwache Nachbargalaxie sind auszumachen

Omega Centauri: mit dem 60mm Okular steht der komplett aufgelöste Star unter den Kugelsternhaufen in seiner gesamten Pracht. Die Sterne leuchten in verschiedenen Farben. Mit dem 8.8mm Weitwinkelokular scheint man den Kugelhaufen förmlich zu durchdringen. Das Zentrum des Haufen besteht aus einem Netz aus Sternenketten.

Centaurus A: diese berühmte Radiogalaxie zeigt einen sehr hellen Kern der durch ein schön strukturiertes Staubband geteilt wird.

Schatzkästlein: ein schöner offener Haufen mit einem rubinroten Stern

Eta Carina: die Nebelpartien dieser HII.-Region sind schier unergründlich. Mit dem 8.8mm Okular erscheint der Homunkulusnebel wie eine rötlich schimmernde Sanduhr. In dem winzigen Nebelchen sind Strukturen auszumachen. Dieser Anblick ist Astrophysik live!

Tarantelnebel in der Großen Magellanschen Wolke wirkt wie auf einem Foto. Die Nebelarme scheinen sich einem förmlich entgegenzustrecken .

Weiter geht’s in Richtung Norden zu den bekannteren Objekten.

M1 zeigt sich wunderbar strukturiert

IC434  ist als Nebelkante deutlich sichtbar. Der Pferdekopfnebel schält sich erst nach längerem Hinsehen heraus, ist dann aber deutlich auszumachen.

Der Flammennebel offenbart seine ganze Schönheit und der Anblick steht keinem Foto etwas nach.

Als Betthupferl schwenkten wir auf den Orionnebel, dessen ausgedehnte Nebelarme sich unvergesslich präsentierten

16.01.2002

Nach dem Frühstück machten wir uns daran, die Drehbank in die Sternwartenwerkstatt zu schaffen. Mit vereinten Kräften und Unterstützung der Farmmitarbeiter wuchteten wir die Maschine aus dem Auto und auf eine alte Werkbank. Hillar, unser Elektroprofi schloss auch gleich noch den Strom an.

Inzwischen beschäftigte ich mich nun weiter mit meiner eigentlichen Aufgabe, dem Kettenradantrieb. Wir entlockten dem Hondagenerator durch einige Tricks noch ein paar Watt mehr und ich schweißte mehr oder weniger ordentlich vor mich hin. Plötzlich entwich dem Schweißinverter eine graue Rauchfahne und im Inneren kündete ein Glimmen auf einer Platine nichts Gutes an. Schnell schraubte ich den Kasten auf und sah etwas verkohltes auf der Platine kleben. Auch Hillar konnte mit seinen Elektrokenntnissen nicht weiterhelfen und völlig frustriert packte ich das blöde Ding in die Ecke.

Warum habe ich nicht einen einfachen Schweißtrafo mitgebracht, sondern diesen empfindlichen Inverter! Kriegsrat wurde gehalten, und wir beschlossen am folgenden Tag nach Windhoek zu fahren, um ein billigen Schweißtrafo zu organisieren.

Am Abend schraubte ich meine alte Praktika an die Montierung. Zurück zum guten, alten Diafilm. Die CCD-Kamera nutze ich weiterhin zur automatischen Nachführung. Voller Übermut montierte ich gleich noch meine Canon EOS500 mit einem 70-300mm Zoom. Ich belichtete die Highlights des Südhimmels, und fiel gegen 2.00 Uhr morgens hundemüde auf mein neu erstandenes Feldbett.

 

17.01.2002

Wie erschlagen schreckte ich vom Weckruf gegen 5.30 Uhr aus dem Schlafsack. Schnell gefrühstückt und wieder ab auf die Tour in die Hauptstadt. Die Maschinen- und Werkzeughandelsfirma kannte uns mittlerweile und wir erklärten unser Anliegen, einen einfachen Schweißtrafo kaufen zu wollen.

Freundlich wurden wir auf die Probleme aufmerksam gemacht, die wir gar nicht bedacht hatten. Da das Hochland eine Höhe von 1800m aufweist, ist unser Stromgenerator viel zu schwach, einen Trafo vernünftig zu betreiben. Über kurz oder lang werden wir nicht umhin kommen, einen vernünftigen Schweißgenerator zu erwerben. Der Händler verwies uns zu einer Hondawerksatt.

Dort standen wunderschöne Schweißgeneratoren, doch waren uns die Preise nach dem Kauf der Drehmaschine doch etwas hoch. Wir erklärten unser Vorhaben über dem Bau einer Sternwarte auf dem Gamsberg und der Hondahändler gab uns den Tipp, bei einer Metallbauerwerkstatt einen gebrauchten Schweißgenerator zu erwerben. Nach einigem Umherirren in dem Gewerbegebiet fanden wir die gesuchte Firma. Der Inhaber, ein deutschstämmiger Mann in meinem Alter – ich bin Anfang dreißig - war schon informiert und da auch ich Inhaber einer Metallbauerfirma bin, verstanden wir uns gleich prächtig. Verbunden mit einer ausgiebigen Betriebsbesichtigung wurden wir uns schnell über den Kaufpreis des Schweißgenerators einig.

Nach dem für beide Seiten lukrativen Handel verblieb uns noch genügend Zeit, um im Geografischen Institut einige Karten der Gegend vom Gamsberg zu besorgen. Die Beobachtungsnacht wurde wieder kürzer, da solche Einkauftouren doch recht anstrengend sind, und der Schlaf seinen Tribut verlangt.

 

18.01.2002

Heftiger Sturm rüttelte in der Nacht an dem Rolldach der Sternwarte und ließ mich nur schwer einschlafen. Doch irgendwann störte mich der Lärm nicht mehr und als ich erwachte, war es schon 10.00 Uhr morgens. Der neue Schweißgenerator funktionierte hervorragend und ich konnte den Kettenantrieb weitestgehend fertigstellen. Nachts machte ich mich wieder mit meinen zwei Spiegelreflexkameras auf Photonenjagd. Als ich nun die dritte Nacht mit der Praktika fotografierte, stellte ich fest, dass der Film doch langsam mal zu Ende sein müsste. Doch die Kamera ließ sich immer weiter aufziehen. Da fiel es mir wie Blätter von den Augen. Der Film wurde nicht richtig transportiert! Ich öffnete die Rückwand der Kamera und sah den Film völlig jungfräulich in seiner Patrone aufgerollt liegen. Ich habe drei Nächte umsonst fotografiert!

 

19.01.2002

Da das Schweißen so viel Spaß machte, fertigte ich aus einem alte Stahlrohr und einigen Quadratrohrresten noch drei Standsäulen. Nach dem Mittagessen war eine Tour in den nahegelegenen Köcherbaumwald angesagt. Mit dem Jeep ging es eine abenteuerliche Piste ins Gebirge und dann bekamen wir genügend Zeit, die Gegend per Pedes auszukundschaften. Ich erklomm einen felsigen Hügel und genoss den Blick auf die umliegenden Felsen. Uralte Köcherbäume standen in der felsigen, verwitterten Landschaft. Der stahlblaue Himmel mit der sengenden Sonne bildete einen unwirklichen Kontrast zum silbrigfarbenen Glimmergestein und dem Goldbraun des verdorrten Grases. Die Landschaft erweckte eine urzeitliche Stimmung in mir. Ich fühlte mich um Jahrmillionen in die Erdgeschichte zurückversetzt. Sah so etwa in der Triaszeit unser heutiges Sachsen aus? Die Illustrationen der Zeit des Rotliegenden, welche ich als Kind im Chemnitzer Naturkundemuseum bestaunte sind hier Realität geworden. Wäre ein Saurier um die Ecke gebogen, mich hätte es nicht sonderlich gewundert. Ich wanderte allein eine enge Schlucht entlang, die durch gewaltige

Wassermassen völlig ausgeschliffen war. In einem schattigem Felsloch entdeckte ich ein stinkenden Rest Wasser, daneben lag das Skelett einer Antilope

Wunderschöne Finken, Bienenfresser und Glanzstare warteten darauf, dass ich mich vom Wasserloch wieder entfernte. Trotz der Vögel war es in diesem Tal unheimlich still. Nach drei Stunden bekam ich den Jeep wieder zu Gesicht und wartete darauf, dass die anderen Mitreisenden wieder eintrafen.

 

20.01.2002

Wieder war eine Expedition auf den Gamsberg geplant. Diesmal wollten wir ein paar Tage oben bleiben und mussten auch entsprechend Proviant und Wasser mitnehmen.  Walter sollte uns mit seinem Jeep bis auf den Berg fahren. Den Vormittag verbrachten wir damit das Gepäck zusammenzustellen und zu verstauen. Allein 90 Liter Wasser mussten mit auf den Berg. Dazu kam das C11, die EQ6, eine von mir zusammengeschweißte mobile Stahlsäule, ein paar Stahlrohre und der Schweißgenerator um einige Reparaturen durchzuführen, unsere Schlafsäcke, Wechselklamotten und ganz wichtig: mein neues Feldbett!

Die Fahrt überstanden wir auf der Ladefläche des Jeeps zwischen unserem Gepäck und fuhren durch die herrliche Landschaft. Walter befuhr die engen Serpentinen auf den Berg mit einer ihm eigenen Ruhe. Ich wusste, dass er diese Strecke schon unzählige Male gefahren war und vertrieb den Gedanken an kaputte Bremsen und ähnliche Unanehmlichkeiten sofort wieder. Nach viel Geschaukel und einem halb verstauchtem Hinterteil erreichten wir schließlich das Bergplateau.

Wir luden alles vom Jeep und machten uns als erstes auf dem Weg zur Generatorhütte, die etwas abseits der restlichen Häuser stand. Wir befreiten den Dieselmotor von einigen Mäusenestern und hängten die mitgebrachte Starterbatterie an. einige Versuche bedurfte es und die Dieselzuleitung musste auch auf Vordermann gebracht werden, aber dann tuckerte der Diesel munter vor sich hin und lieferte uns Strom.

Ich hatte diesmal mein Funktelefon mitgebracht und freute mich, als sich mitten in der Einöde das Telefon in ein heimisches Netz einklingte. Sogleich rief ich meine Frau und meinen Sohn an, die ich in Deutschland zurückgelassen hatte.

Der Blick nach Osten machte uns unmissverständlich klar, dass es wirklich der Beginn der Regenzeit war. Im Westen, über der Namibwüste war der Himmel noch stahlblau und die untergehende Sonne beleuchtete die herannahenden Wolken in einem herrlichen Farbenspiel. Wolf-Peter verwöhnte uns mit seinem köstlichen Tomatensalat, dessen Knoblauchduft sämtliche Paviane vom Gamsberg vertrieben. Ich kaute wieder genüsslich mein getrocknetes Antilopenfleisch und wir ließen den Abend ruhig ausklingen. Draußen hatte sich der Himmel komplett zugezogen und ein Sturm peitschte über den Berg. Ich verkroch mich wieder in die Schiebedachhütte und legte mich genüsslich auf mein Feldbett. Der bald darauf einsetzende Regen prasselte in einem ohrenbetäubenden Lärm auf das Wellblech des Schiebedaches und konnte mich trotzdem nicht am Einschlafen hindern.

 

21.01.2002

Nach dem Frühstück (Müsli+ Trockenmilch + Wasser) machte ich mich daran, die fast auseinandergefallende Holztür am Generatorhaus zu reparieren.

Hillar montierte erfolgreich die mitgebrachte Funkantenne und wir freuten uns, als die Funkverbindung auf die Farm Hakos ohne Probleme stand. Rainer machte sich über die Windmesser her, welche sich in der Werksatt noch fanden. Jeder machte sich irgendwie nützlich.

Am Nachmittag umwanderten wir das Bergplateau und wurden gegen Ende von einem kräftigen Regenguss überrascht. Da die Körperpflege auf solch einer Exkursion

doch stark zu wünschen übrig lässt, war mir diese Dusche recht willkommen. Ich rannte in meine Hütte, holte das Duschbad und seifte mich unter dem Fallrohr der Dachrinne kräftig ein. Herrlich - endlich wieder sauber!

 Der Tag endete und es regnete kräftig, als wir uns die Bohnen und das Trockenfleisch schmecken ließen.

 

22.01.2002

Der Regen hatte sich ausgetobt und wir nutzen den freundlichen Tag zu einer Wanderung rund um das Plateau des Gamsberges. Als erstes bestiegen wir den Stahlturm, der als Vermessungspunkt mitten auf dem Gamsberg errichtet wurde. Von hier oben hatten wir einen herrlichen Rundblick auf das riesige Land. Im Osten erstreckte sich das Hochland mit seinen einzelnen Bergen, im Süden und Norden hatte die Erosion eine unwirkliche Felslandschaft mit unzähligen Schluchten und Canons geformt. Das Hochland fiel nach Westen hin steil ab und ging über in die endlosen Dünen der Namibwüste. Ein herrlicher Anblick!

Am Abend ging ich noch einmal allein an die Westkante des Plateaus, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Gegen 18.00 Uhr erreichte ich die Abbruchkante und setzte mich, um die Landschaft in mich aufzusaugen. Schwalben umschwirrten mich und erinnerten an einen Sommertag in Europa. Je weiter sich die Sonne dem Horizont näherte, um so mehr veränderte sich die Umwelt. Die Schwalben waren plötzlich verschwunden und ihre Stelle nahmen die pfeilschnellen Mauersegler ein. Vielleicht haben die eleganten Vögel hier ihr Winterquartier? Bis zu einem Meter zischten sie an mir laut kreischend vorüber. Eine Lärche verabschiedete die untergehende Sonne und das Pfeifen der Klippspringer ertönte vom Tal. Die Landschaft färbte sich blutrot und die Wolken am Himmel gaben ein herrliches Schauspiel ab. Plötzlich waren die letzten Sonnenstrahlen verschwunden. Der helle Mond zeigte mir den Weg zurück zu unseren Hütten.

 

23.01.2002

Wir verbrachten den sonnigen Tag damit, noch einige kleinere Reparaturen an den Gebäuden durchzuführen. Am Nachmittag holte uns unser Farmer wieder mit dem Jeep vom Berg ab. Die Abfahrt auf der Ladepritsche hatte wieder etwas abenteuerliches und unterwegs wurden wir von einem Gewitter überrascht.

 

24.01.2002

Unser letzter Tag. Etwas schwermütig packte ich meine Koffer und räumte meine Astrosachen zusammen. Ich nutzte den Tag, um allein eine Wanderung in die nähere Umgebung zu machen. Eine Pavianherde beäugte mich aus sicherer Entfernung und hielt immer genügen Abstand.

Ein bekanntes Kreischen in den verdorrten Baumkronen verriet mir die Anwesenheit der Pfirsichköpfchen. Diese Zwergpapageien sind herrlich Tiere, die allerdings nur schwer im Gestrüpp zu erkennen sind. Unter einem Stein entdeckte ich noch einen Skorpion, der mit seinen 5 Millimetern Länge nicht gerade Angst einflößte.

Der Abend klang mit einer Runde südafrikanischen Bieres aus, dessen Geschmack seinen deutschen Ursprung nicht verleugnen konnte.

 

25.01.2002

Schon 02.30 Uhr war großes Wecken angesagt. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns herzlich von den Gastgebern und machten uns auf die nächtliche Fahrt. Eine Autofahrt in der Dunkelheit ist nicht ungefährlich, da immer wieder Wildtiere die Schotterpiste kreuzen.

Wir erreichten mit Sonnenaufgang den Flughafen und pünktlich startete unser Airbus in Richtung Norden.

Der Flug über Afrika war sehr beeindruckend. Entlang der Atlantikküste ging es über die Wolkentürme der Tropen. Unvergesslich war für mich der Tschadsee, dessen ursprüngliche Ausmaße aus der Luft noch gut zu erkennen waren. Die Sahara erstreckte sich endlos und als das Blau des Mittelmeeres auftauchte, fühlte ich mich schon fast wie zu Hause. Die Sonne näherte sich über Italien dem Horizont und ich genoss den Sonnenuntergang über den Alpen. Das Matterhorn und der Mont Blanc waren zu erkennen. Doch schon setzte die Maschine zum Landeanflug auf München an.

 

Ausblick:

Die CCD-Kamera brachte ich mit Hilfe eines kleinen Computerprogramm innerhalb von fünf Minuten zu Hause wieder zum Laufen, welches ich aus dem Internet laden konnte.

Die Aufnahmen mit der Canonkamera waren auch alle für die Katz, da das 300mm Teleobjektiv viel zu klapprig war und den Schwerpunkt während der Belichtung verlagerte, so dass ich auf allen Bildern Stichspuren und Mehrfachbelichtungen hatte.

 

Während ich diese Zeilen schreibe, ist schon wieder Oktober. Die letzten Reisevorbereitungen sind erledigt, denn Ende des Monats geht es schon wieder los. Diesmal wollen wir für die zweite Beobachtungshütte das Schiebedach bauen, damit die Astrokamera einen festen Standplatz erhält.

 

 Literatur und Links:

 [1]          http://www.ias-observatory.org

 [2]           http://www.ias-observatory.org/IAS/Gamsberg.htm

 [3]           http://www.astrooptik.com/Projekte/Pollux.htm#Pollux

 [4]          http://www.mpg.de/news02/news0221.htm

 [5]           http://www.natron.net/tour/hakos/start.html

 [6]          http://www.belplasca.de/Astro/ST8e/Orion_hgb_120102/orion_hgb_120102.html

 [7]           http://www.belplasca.de/Astro/ST8e/eta-car/eta-car.html

 [8]          http://www.belplasca.de/Astro/ST8e/Lin_wm1/lin_wm1.html

 

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