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Mann sollte es kaum für möglich halten, aber dass nun ausgerechnet zu unserem Klärgrubenfest (So ein Fest muss ja einen Namen haben) sich
der Blick zum nächtlichen Himmel lohnt, konnte bei dem Wetter kaum jemand glauben. Petrus meine es recht gut mit uns, und so zeigten sich am Abend einige Wolkenlücken. Nach einem faszinierenden
Kulturprogramm gutem Essen und Trinken war die Stimmung gegen Mitternacht hervorragend. Mir stellte sich die Frage, ob ich noch ein Fläschchen „Chursbachwasser“ hinunterwürgen sollte, oder lieber mit meiner
Frau mal ein paar Schritte nach draußen gehe. Es war 0.15Uhr, einige Sterne zeigten sich zwischen großen Wolkenlücken. Doch was war das? Genau aus Norden zeigten sich zwei breite helle Streifen am Himmel. Mir
fuhr der Schreck in die Glieder. Dort steht doch nicht etwa ein Skybeamer. Diese Dinger verschandeln schon vom ChemnitzCenter aus den östlichen Himmel. Und nun das! Aber Moment mal, der Lichtstrahl läuft doch
hinter den Wolken entlang. Das kann kein Skybeamer sein. Plötzlich wurde mir klar, die Vorwarnungen, die seit Samstag Morgen im Internet verbreitet wurden, sollten sich bestätigten. Es waren Polarlichter!
Innerhalb weniger Sekunden verbrannte mein Körper den Alkohol und ich war urplötzlich wieder stocknüchtern. Da ich die Polarlichter im April dieses Jahres schon verschlafen hatte, wollte ich unbedingt ein paar
Bilder dieses Naturschauspieles schießen. Gerd lief schon den ganzen Abend mit seiner Kamera auf dem Stativ umher. „Geeeerd! Wo steckst Du?“ Oh schreck, Gerd war weg und erst nach Hause rennen wollte ich in
der Eile nun auch nicht. „Geeeheeerd!“ Wo ist er denn? Nach unendlich langen 2-3 Minuten kam er vom Klo! Ohne viel zu erklären, riss ich Ihm die Kamera aus der Hand und stürzte aufs Feld um den Straßenlampen
zu entkommen. Mittlerweile war der Höhepunkt des Naturschauspiels erreicht. Die zwei Streifen hatten sich stark verbreitert und verliefen vom Nordhorizont bis fast in den Zenit. Westlich der Streifen schloss sich
ein rot bis violettes Gebiet an. Tief im Westen zwischen dem Sternbild Großer Wagen und dem Bärenhüter war ebenfalls ein großes rot violettes Oval. Schnell schoss ich ein zwei Bilder. Doch die Kamera konnte nur
maximal 30 Sekunden belichten. Das Reichte wahrscheinlich nicht aus (wie ich später bemerkte, war dies ein Irrtum) Ich fasste den Entschluss doch schnell nach Hause zu rennen und mein Kameragerödel zusammenzusuchen. Zum Glück hatte ich mal Ordnung in meinem Schrank und alles lag an seinem Platz im Keller. Schnell noch einen
empfindlichen Film in die Kamera gefummelt, dass Stativ und den Fernauslöser geschnappt und raus aufs Feld.  Die Streifen und das kräftige Rot/Violett in nördlicher Richtung war kaum
noch zu sehen. Aber Richtung Westen konnte ich zwischen den Schleierwolken noch etwas erkennen. Kamera hingestellt und Belichtet. Eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten.
Mist! ausgerechnet jetzt kam ein Auto. Schnell hielt ich die Hand aufs Objektiv, damit der Scheinwerferkegel mir nicht die Aufnahme versaut. Dabei habe ich
natürlich das Stativ verschoben und ich musste die Aufnahme abbrechen. (War wohl doch noch etwas Alkohol im Kopp?) Das Polarlicht war kaum noch auszumachen. Also verschoss ich noch zwei Bilder auf gut Glück.
Das Schauspiel war vorbei. Es war mittlerweile 0.45Uhr. Ich ging mit Uli nach Hause. Ich wollte unbedingt noch ne Meldung ist Internet schicken.
Also Computer an und rein ins Netz. Mit dem alten Modem zu Hause geht’s aber nicht so schnell wie ich es gern hätte. Endlich hatte ich die Meldung getippt und an die einschlägigen
astronomischen Gruppen verschickt. Genau 1.01Uhr ging die Meldung raus. Das war geschafft. 4 Leute hatten schon eine Sichtung gemeldet. Bis hinunter an den Bodensee war das Polarlicht zu sehen.
Ich schaute noch mal vor die Tür. Nichts zu sehen. Aber bis zur Dämmerung dauert es schon noch 2 Stunden, und so stiefelte ich noch mal hinaus. Die Stimmung auf dem Klärgrubenfest
war immer noch gut und so schaute ich wieder vorbei. Ab und zu ein Blick an den Himmel zeigte nichts Neues. Und gegen 1.35 Uhr zogen dann auch die Wolken komplett zu. Die
Müdigkeit hatte auch gesiegt und so ging ich nach Hause. Was soll ich sagen, nach Meldungen von anderen Beobachtern ging kurz nach halb zwei noch mal eine zweite Show los. Aber man kann ja nicht Alles haben! |