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Listinus Toplisten
Sonnenfinsterniss am 13.08.1999

Schon lange hatten wir uns vorgenommen, am 11.August in die Nähe von Stuttgart zu fahren um die Sofi zu fotografieren und zu filmen.
Wochen vorher machte ich Probeaufnahmen von der Sonne, um die richtige Belichtungszeit und den geeigneten Film zu ermitteln. Es wurden Filter für das Teleskop, die Fotoobjektive und das Fernglas gebastelt.
Am 10.August war es dann endlich soweit. Das Auto hatten wir schon am Abend zuvor gepackt. Gegen 4.00 Uhr Früh starteten wir Richtung Süddeutschland.
Nach einigen Staus bei Nürnberg erreichten wir das Remstal in der Nähe von Stuttgart.
Der Wetterbericht in den Nachrichten meldete eine dicke Wolkenfront für den kommenden Tag.
Nur nicht den Mut verlieren!
Nach einem Wolkenbruch zum Mittag, klarte der Himmel wieder auf. Auch der Abend war recht heiter. Man schöpfte Hoffnung.
Voller Erwartung legten wir uns schlafen.
Früh gegen 6.00 Uhr wachte ich auf. Sofort schaute ich aus dem Fenster. Ein Schlag ins Gesicht! Der Himmel war grau und es nieselte. Für mich stand fest, des Wetter muß einfach besser werden.
Nach dem Frühstück fuhr ich mit der gesamten Ausrüstung auf einem nahegelegenen Weinberg. Man konnte das Ganze Remstahl bis ins 20 km entfernte Stuttgart überblicken. Ein idealer Standort. Wenn bloß das Wetter mitspielt!
Gegen 10.00 Uhr ließ der Nieselregen nach. Ich baute das Teleskop auf, richtete es ein und montierte voller Optimismus den Foto und die Videokamera daran.
Wo blieb nur die Sonne?
Da plötzlich, gegen 11.00 Uhr läßt sie sich kurz blicken. Gerade lang genug, um das Teleskop exakt einzurichten. Von nun an Hält der Nachführmotor des Teleskops die Sonne genau in der Bildmitte.
11.10 Uhr der Blick zum Himmel läßt im Westen kleine Wolkenlücken erkennen. Sie ziehen direkt Richtung Sonne. Hoffnung keimt auf.
11.15 Uhr. Der 1.Kontakt. Der Mond berührt die Sonnenscheibe. Doch leider ist das Schauspiel noch immer hinter der Wolkendecke versteckt. Die Wolkenlücken nähern sich im Schneckentempo. Ich sitze wie gebannt hinter dem Teleskop, den Auslöser für die Kameras griffbereit.
11.25Uhr. Endlich! Die Sonne zeigt sich. Von Westen her hat der Mond schon ein Stück der "Sonnenscheibe" verdeckt. Die Videokamera läuft und ich schieße ein paar Bilder. Nsch ein paar Sekunden schiebt sich wieder die Wolkendecke zu.
Gegen 11.50 Uhr das selbe Spiel nochmal. Diesmal ist schon über die Hälfte der Sonne verdeckt. Durchziehenden Wolkenfelder zwingen mich die Belichtungszeiten immer wieder zu verändern. Was nützen mir die ermittelten Belichtungszeiten des strahlend Blauen Himmels von zu Hause?
Ich stelle die Werte auf gut Glück ein.
12.00 Uhr noch eine halbe Stunde bis zu vollständigen Bedeckung der Sonne durch den Mond. Der Blick nach Westen verheißt nichts Gutes. Alles Grau in Grau und wenige Kilometer von uns sieht man, wie die Regenwolken sich leeren. Es sieht einfach nicht Gut aus.
12.25 Uhr. Noch 7 Minuten bis zur Totalität. Der Himmel ist komplett grau. Die Hoffnung schwindet. Ich fasse den Entschluß die Videokamera vom Teleskop abzumontieren, um die Landschaft aufzunehmen.
11.30 Uhr Es ist ziemlich duster. Kommt es durch die dicken Wolken oder ist das Schon der Mondschatten? Schwalben fliegen wie wild dicht über den Boden.
11.33 Uhr das Schauspiel beginnt. Aus Richtung Stuttgart nähert sich rasen schnell eine dunkelgraue Wand. In den umliegenden Stätten leuchten die Reklametafeln. Ich erkenne die Uhr nicht mehr. Und die Dunkelheit wird stärker. Es ist Stockfinster, ein Schauer fährt mir über den Rücken. Es ist mit Sicherheit nicht der einsetzende Temperaturrückgang der mich frösteln läßt. Es ist einfach ein gigantisches Gefühl. Unseren umstehenden Freunden geht es nicht anders. Da es dunkel ist kann ich mir nur vorstellen, wie alle mit offenen Mund in die Gegend blicken.
Kein Wunder, daß unsere Vorfahren bei solch einem Naturschauspiel glaubten, daß die Welt untergeht.
11.35 Uhr. Im Westen erkennt man schon die ersten roten Wolken. Ich richte die Videokamera darauf. Das Licht kommt rasend schnell näher. Ich schwenke die Kamera nach osten in die Dunkelheit. Genau so schnell wie ich schwenke rast das Licht über uns hinweg. Da unsere Augen noch an die Dunkelheit gewöhnt sind ist dieser Effekt viel beeindruckender als das Dunkelwerden.

11.36 Uhr. Die Landschaft liegt wieder hell vor uns. Wir alle können die letzten Minuten noch gar nicht verarbeiten.
Ich schaue zum Himmel. Das kann doch nicht war sein! Genau 2 Minuten nach der Totalität läßt sich die Sonne wieder blicken. Ich stürze schnell zum Teleskop und nehme noch ein Paar Bilder der extrem schmalen Sichel auf. Dann ist der Himmel wieder zugezogen und es Beginnt zu Regnen. In aller Eile packe ich die ganze Ausrüstung ins Auto.

Unsere Freunde hatten noch eine Vesper vorbereitet. Und so saßen wir im Winzerhäuschen und ließen uns das Brot mit Käse und einigen Flaschen Wein schmecken. Nach einer Stunde ging ich glücksseelig (ob durch den Wein oder die Sofi, daß weiß ich nicht) hinaus. Der Himmel war aufgerissen und die Sonne schien. Ich blinzelte zur Sonne sie schien wunderbar hell. Nachdem ich die schon weggepackte Schutzbrille wieder aufgesetzt hatte, erkannte ich gerade noch wie der Mond das letze Stückchen verdeckte Sonne freigab.

Ich bin nicht traurig, die verfinsterte Sonne mit Ihrer Korona nicht gesehen zu haben. Ich tröste mich mit dem Gedanken, daß ich vielleicht die 2 Minuten der Totalität viel zu sehr mit fotografieren und der Videokamera beschäftigt gewesen wäre und somit das Naturwunder gar nicht so intensiv erlebt hätte.
Die reichlich 3 Stunden waren die schnellsten, welche ich je erlebt hatte.
Für mich steht, wie für viele welche dieses Schauspiel erlebt haben, fest: "Das muß ich noch einmal sehen!"

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